Wohnen für Studierende

 

Der Mythos vom armen Bettelstudenten passt vielleicht nicht mehr ganz in die heutige Zeit. Dennoch ist eines klar: Studierende zählen nicht zu den Top-Verdienern. Können und sollen sie auch nicht - sie sollen ja studieren, lernen, sich vorbereiten auf das spätere Berufsleben. Verdient wird später - nach dem Abschluss, so simpel scheint die natürliche Abfolge. Die Immobilienwirtschaft scheint das anders zu sehen. Die Mieten für das spezielle Wohnungsmarktsegment "Wohnraum für Studierende" schießen zur Zeit mit am schnellsten in die Höhe. Damit dies in der Öffentlichkeit nicht sofort ins Auge sticht greift man zu einem Trick und schrumpft die Wohnungsgrößen - sogenannte "Mikroappartments" sind der neueste Trend. Da fällt der Quadratmeterpreis in Höhe von 20 € dann nicht so schnell auf. "Früher" baute man auch schon "Mikroappartments" für Studierende nur hatten sie damals noch keinen so schicken Marketing-Namen, "früher" hiessen diese Mikroappartments einfach nur Studentenwohnheim. Da war der Name nicht so schick, dafür war die Miete (wesentlich) billiger. Das lag daran, dass man früher glaubte, Studierende hätten nicht so viel Geld und sollten deshalb von hohen Wohnkosten verschont werden. Man nannte das seinerzeit "sozial". Die Frage ist, was es dann heute ist, und wie man es nennen soll, wenn heute Wohnraum für Studierende nur noch auf einem Preisniveau neu geschaffen wird, der eigentlich imTop-Verdiener-Segment angesiedelt ist.

 

Nur ist es heute nicht einfach so, das der unbezwingbare "Markt" alles an sich reißt und keinen Raum mehr lässt, um solchen Entwicklungen auszuweichen. Denn das Land Berlin beteiligt sich selbst am Neubau von Wohnraum für Studierende. Greift dabei allerdings zum selben schon beschriebenen "Trick", die Wohnungen schön klein machen und im Gegenzug den Quadratmeterpreis schön in die Höhe schrauben - die landeseigene berlinovo plant in Berlin "Mikroappartments" für Studierende zu einem Quadratmeterpreis von fast 20 € anzubieten.

 

Vielleicht sollte man die Dinge einfach beim Namen nennen und Pläne des Senats, künftig landeseigene Appartments für Studierende für einen Quadratmeterpreis von fast 20 € anzubieten auch als genau das bezeichnen was sie sind: Abzocke.

 

Die Frage bleibt, was die Studierenden machen sollen, die keine Eltern im Rücken haben, die ihnen in Berlin diese Mieten bezahlen können - oder für den Nachwuchs gleich eine Eigentumswohnung kaufen. Der Senat missbraucht die Wohnungsnot Studierender um selbst aktiv an der Mietspirale für Berlin zu drehen. Das einzig konsequente an dieser Wohnungspolitik ist nur die konsequente Durchsetzung des Neoliberalismus bis in den letzten Winkel aller Lebensbereiche hier in Berlin. Eine "soziale" Wohnungspolitik sieht anders aus. Opposition gegen eine solche neoliberale Wohnungspolitik muss ebenfalls anders aussehen als bisher.

 


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